Monatsarchiv für September 2007

Enttäuscht von der Fremden in dir

Freitag, den 28. September 2007

Ich habe in einer Filmkritik zu Die Fremde in dir gelesen, dass es in diesem Film nicht um Gewalt, sondern um Schuld, Sühne und Identität ginge. Weiter hieß es: Ein intelligentes Drama mit einer ganz fabelhaft butchen Hauptdarstellerin.

Ja, na gut, dann geht’s eben nicht um Gewalt, auch wenn Jodies Freund zu Beginn zu Tode geprügelt wird und Jodie daraufhin diverse Leute mit einer Knarre abknallt, dann geht’s also darum, dass Jodie Schuld ist, dass die bösen Buben büßen müssen oder die selber Schuld sind, dass sie büßen oder Jodie büßen muss, dass die anderen Schuld sind an ihrem Trauma ect pp. Ich bilde mir ein, ich hab’s schon irgendwie verstanden, konstruiert genug war das ja alles. Und immerhin nicht weniger als fünfmal wird klar, dass Jodie plötzlich gemeine oder gefährliche Menschen abzuschießen vermag und noch viel klarer wird, sollte man auch dem Titel vorher nicht ausreichend Beachtung geschenkt haben, dass es in diesem Film um Identität geht. Jodie persönlich sagt’s einem nämlich etliche Male: In mir ist eine Fremde …

Fabelhaft butche Hauptdarstellerin? Aber ja!

Ich finde jedenfalls, wenn da nur eine Fremde in ihr schlummert, hat sie’s noch ganz gut getroffen. In den meisten Menschen sind sicher ganz viele Fremde, ein Haufen Leute, mit denen man sich irgendwie arrangieren muss.

Wo ich wohne

Donnerstag, den 27. September 2007

Als ich das Fenster öffnete,
schwammen Fische ins Zimmer,
Heringe. Es schien
eben ein Schwarm vorüberzuziehen.
Auch zwischen den Birnbäumen spielten sie.
Die meisten aber
hielten sich noch im Wald,
über den Schonungen und den Kiesgruben.

Sie sind lästig. Lästiger aber sind noch die Matrosen
(auch höhere Ränge, Steuerleute, Kapitäne),
die vielfach ans offene Fenster kommen
und um Feuer bitten für ihren schlechten Tabak.

Ich will ausziehen.

Günter Eich

P.S. Ob man will oder nicht.

Geh nicht den Weg, …

Dienstag, den 18. September 2007

den so viele geh’n - nanana -

mach ich nicht! Während fast alle Autoren der Rund um die Burg-Lesung in Wien eine humane Lesezeit für sich in Anspruch nehmen, gebe ich mich mit 4 Uhr morgens zufrieden. Am 22.09.

Persönlich denken, politisch fragen!

Montag, den 17. September 2007
  1. Reis mit Bohne
  2. Wer früher stirbt, ist länger tot
  3. Die restliche Zeit
  4. Anne Will

Wer persönlich denkt, kommt unter Umständen offenbar auf den Gedanken, dass sich Condi Rice, weil sie mit einer gewissen Ms Bean zusammen ein Haus unterhält, politisch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen sollte, was homophobes oder homophob wirkendes Verhalten betrifft.

Obwohl ich mich normaler Weise gut gegen „den Film fanden alle toll“ zu schützen weiß, ist es mir hier nicht gelungen. Ein berührender Film in jeglicher Hinsicht, denke ich persönlich und frage halbwegs politisch: Aber darf man den bayrischen Dialekt ununtertitelt lassen?

Laut Innenminister sei ein atomarer Anschlag nur noch eine Frage der Zeit. Ich bin Herrn Schäuble sehr verbunden für seinen Rat, dass ich mir meine restliche Zeit nicht mit Untergangstimmung verderben soll.

Und dem Reinhard Mohr gebe ich so mit: Kopf hoch, wird schon.

Die beiden Reisenden

Montag, den 10. September 2007

Ich finde Annemarie Schwarzenbach anstrengend. Und interessant. Aber auch anstrengend. Ihre Lyrische Novelle zog ich mir zu früh rein, so dass ich mich später ihren Werken immer schon mit einer Art Brett vor dem Kopf widmete.

Bibiana Beglau finde ich ebenso anstrengend. Und ebenso interessant. und oft habe ich ein brett vor’m Kopf, wenn ich sie im Theater sehe. Ich habe mal gelesen, dass eine wie sie Katharina Blum spielen könnte. Das fand ich fein beobachtet. Und als mir meine Lektorin sagte, dass Bibiana Beglau Annemarie Schwarzenbach liest, fand ich das noch viel feiner beobachtet.

Zum Glück und selbstverständlich macht B.B. das auch sehr gut. Eine gelungene Liaison sozusagen. Ich habe gerade das Hörbuch Liebeserklärungen einer Reisenden gehört. Es ist zu einem sehr großen Teil interessant und zu einem kleinen Teil anstrengend, so wie sich das für die beiden Damen und für’s Reisen gehört.

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Foto Beglau: © Martin Rottenkolber

Foto Schwarzenbach:  © Marianne Breslauer Archiv, Zürich

Urlaub zu Ende

Freitag, den 7. September 2007

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