Archiv der Kategorie ‘gedichte‘

Für M. und D. und C. und xyz

Mittwoch, den 7. November 2007

Im See schwimmt ein Schimmel -

schaut Gott aus dem Himmel,

und spricht wie im Wahn:

“Aus dir wird ein Schwan!”

“Ich bin doch ein Schimmel”,

schimpft das Pferd gen Himmel.

“Bitte lass mich so sein!

Was fällt dir nur ein?”

“Ich kenn’ genug von deiner Sorte.

Ihr habt immer Widerworte!”

Gott holt tief Luft

und Schimmel verpufft.

Auf dem See schwimmt ein Schwan,

der wiehert wie im Wahn.

“Hör auf!, ruft Gott im Himmel.

“Verdammt nochmal, du bist kein Schimmel!”

©A.G.

Blau war die Nacht

Donnerstag, den 1. November 2007

Clärchen tanzt

Mit dem Rücken zur Wand

Das Alter steht ihr ins Gesicht geschrieben

Es bröckelt

Sie stöckelt

Und blau ist die Nacht


Nie wieder kommt Tag

Wie Clärchen ihn mag

Alles bröckelt

Sie stöckelt

Sie stolpert

und poltert

Den Weg nach Hause


Und jetzt, beschließt Mond,

Gönnen wir uns ne Pause


Blau war die Nacht

Als Clärchen’s Licht ausgemacht

©A.G.

Angeregte Unterhaltung

Montag, den 8. Oktober 2007

Uwe aus dem Nebenhaus

schaut wie sein eig’ner Nachbar aus

Was macht denn der Nachbar im Nebenhaus

Da wohnte doch letztens noch der Klaus

Klaus zog aus.

Kennst du Uwe

Kennst du Klaus

Kennst du dich mit deinen Nachbarn aus

Kennst du Hinz

Kennst du Kunz

Was macht denn Dings

Was sagt denn Bumms

RUMMS

Uwe haut die Türe zu

Hat wohl lieber seine Ruh’

Wie sieht’s wohl beim Uwe drinnen aus

innen drin in seinem Haus

Keine Ahnung

Frag mal Klaus

 

 

 

Wo ich wohne

Donnerstag, den 27. September 2007

Als ich das Fenster öffnete,
schwammen Fische ins Zimmer,
Heringe. Es schien
eben ein Schwarm vorüberzuziehen.
Auch zwischen den Birnbäumen spielten sie.
Die meisten aber
hielten sich noch im Wald,
über den Schonungen und den Kiesgruben.

Sie sind lästig. Lästiger aber sind noch die Matrosen
(auch höhere Ränge, Steuerleute, Kapitäne),
die vielfach ans offene Fenster kommen
und um Feuer bitten für ihren schlechten Tabak.

Ich will ausziehen.

Günter Eich

P.S. Ob man will oder nicht.

Moni, mach Marmelade

Sonntag, den 29. Juli 2007

Und morgen muss Moni Marmelade machen,

denn der Garten wirft was ab.

 

Und es hält sich nichts ungekocht und

ungesüßt, und wenn erst der Winter wieder weiß

und kalt, dann hat man rot und heiß

wenigstens den Mund von Monis

Kirschentraum

mit echter Vanille

und dazu eine Kugel

Eis.

 

Moni, mach Marmelade!

Gleich morgen, solang

der Garten was hergibt,

solang du dich erinnerst,

wie das geht mit deinen Früchten.

 

Denn dich im Winter will ich

ohne Kirschentraum

nicht haben,

lieber nicht.

© Ariane Grundies

Barbra, Ingeborg, Lutz, Gertrude und ich

Montag, den 2. Juli 2007

Nach ihrem glorreichen Auftritt in Berlin habe ich Barbra getroffen und ihr erzählt, dass Lutz Seiler, so wie es aussieht, ganz gute Chancen auf den Bachmannpreis hat. Sie meinte, sie liebte einst sein Gedicht Good Evening Kap:

hier draußen lieben sie ihre

kleinen zersessenen hunde. Es ist hier auch

nicht so weit

vom sofa bis zum zaun

wie in america. Und abends

wenn das licht ausgeht

oben, in den bäumen

lehnt ein kleiner zersessener schatten am tor

und sagt:

hier draußen werde ich geliebt, verstehen sie, geliebt

und ich fühlte mich verpflichtet auch ein Gedicht ihres Landsmannes auswendig aufzusagen. Das Einzige, was mir unter den gegebenen Umständen ad hoc einfiel:

Old dogs.

Old dogs are we.

Old dogs

Old dogs merrily

We see.

Hurrah.

Sunday.

Gertrude Stein, sagte Barbra und verzog das Gesicht.

Der Reine

Dienstag, den 19. Juni 2007

Du bist die Dünne

und er ist der Kleine

du wäscht seine Füße

und hängst ihn auf die Leine

Du trinkst dann Eistee

auf der Veranda

er tropft vor sich hin

und denkt an Amanda

Amanda ist die Dicke

sie wohnt nebenan

sie sieht aus dem Fenster

pitschnass ihren Mann

Was machst du auf der Leine?

Was ist mit deinen Füßen?

Warum bist du so klein?

Das wirst du mir büßen!

Nun komm von der Leine!

sonst mach ich dir Beine!

Und du bist die Dünne

und er ist der Reine

du lachst dir ins Fäustchen

ganz still und alleine

© Ariane Grundies

Ein Kartoffelfeld

Freitag, den 8. Juni 2007

Ein Kartoffelfeld

hab ich für die kleine Madame bestellt

Madame will Pommes, Knödel und Puffer

Niemand macht sie satt

Vielleicht jetzt,

wenn sie ein Kartoffelfeld hat.

Ich fordere Pommes, Knödel und Puffer

Für das kleine Fräulein

Es soll endlich auch mal

Ratzefatze satt sein.

Hier hast du ein Kartoffelfeld

Ich hab es dir so hingestellt

Ich hoffe, dass es dir gefällt

Was soll ich mit Kartoffeln

Schreit die kleine Madame

Ich will Pommes, Knödel, Puffer

Mach mich satt! Mach mich satt!

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© Ariane Grundies